Birma (Myanmar)

ein reisereport:

Birma 

–  oder die fast unerträgliche Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart:

Aktualisierung 13.11.2015: was lange währt, wird endlich…..

Ergänzung 2019: Das Land ist in einer Art ‚Demokratie auf Gnaden der Militärs‘  gestrandet. Hat sich aber immerhin in Richtung ‚mehr Freiheit‘ bewegt. Aung San Suu Kyi (အောင်ဆန်းစုကြည်) nennt sich jetzt zwar ‚Staatsberaterin‘ in der Funktion einer Staatschefin. Ihre Partei NLD hatte 2016 die absolute Mehrheit errungen. Präsidentin durfte sie aber wg. der vom Militär formulierten Wahlgesetze nicht werden. Mittlerweile hat sie mit der Vertreibung der ->Rohingya ein zusätzliches Problem mit dem Vorwurf des Völkermordes. Wohl aus Angst vor dem Zorn ihres vorrangig buddhistischen Volkes aber auch der nach wie vor undurchsichtigen Rolle des Militärs. ->Myanmar heute

 aus SPON 13.11.2015  Parlamentswahl in Burma
…Wahlsiegerin >Aung San Suu Kyi: Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hat bei den Parlamentswahlen in Burma einen historischen Triumph gefeiert. Die OppositionsfĂĽhrerin hat mit ihrer Nationalliga fĂĽr Demokratie (NLD) die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament gewonnen. Damit kann die Partei den nächsten Präsidenten bestimmen. Gemäß der Verfassung darf Suu Kyi nach jetzigem Stand nicht Staatschefin werden, weil sie mit einem Briten verheiratet war und auch ihre Kinder ausländische Pässe besitzen. Eine Regelung, die die Militärs scheinbar genau auf die 70-Jährige zugeschnitten in die Verfassung eingebaut haben………..Die Nachricht vom Wahlsieg erreichte Suu Kyi an einem historischen Datum. Auf den Tag genau vor fĂĽnf Jahren hatte die Militärjunta die Politikerin aus dem Hausarrest entlassen. Seit ihrem Sieg bei den letzten freien Wahlen 1989 hatten die Generäle die OppositionsfĂĽhrerin mehrfach ĂĽber Jahre festgenommen und unter Arrest gestellt.                  syd/dpa/AFP/AP/Reuters

Weitere links zum Thema >Birma<

http://www.burmalibrary.org/   –  http://www.burmabureaugermany.com/index.php?id=1&L=1 –  www.thai-ticker,com/aktuelles/aktuelles.htm   –    http://wikitravel.org/de/Myanmar  –    http://www.gebeco.de/

Mingalaba – Hallo/Willkommen/Wie geht’s

Myanmar oder Birma:

„Myanmar“ wird von einer Militärjunta beherrscht, Volk und Land unterjocht, eines der reichsten Länder SĂĽd-Ost-Asiens wurde zum Armenhaus des Kontinent heruntergewirtschaftet, die Menschen leiden unter einer Militärdiktatur der schlimmsten Art – und die Welt schaut weg ! Die OppositionsfĂĽhrerin (Aung San Suu Kyi), leider noch immer in Hausarrest, spricht nicht von Myanmar sondern von Birma. Daher benutze auch ich diesen Namen.

Land und Situation veranlassen mich, diesen Report nicht als einfachen Reise- und Bildreport zu gestalten, wie das sonst der Fall war. Das Land ist uns so fremd, so dass ich diesmal ein bisschen auf die kulturellen Rahmen-bedingungen eingehen möchte und die Bildsektion zu Themenfeldern zusammengefasst habe. Hoffe, das ist der richtige Weg. Das grösste und wohl schönste – und frĂĽher reichste –  Land SĂĽd-Ost-Asiens ist ohne Grundkenntnisse des Buddhismus nicht zu verstehen.

Daher vorab:   In diesem Land begegnet der Reisende dem Buddhismus auf Schritt und Tritt. Selbst der Zauber der Landschaft wird erst durch den Buddhismus und seine Pagoden und Buddha-Statuen zu diesem optischen Juwel.

Basis der buddhistischen Lehre ist die Überwindung irdischen Leidens und das Erreichen einer höchsten Ebene, frei von allen irdischen Plagen und Zwängen, das Nirwana. Der Weg dorthin wird durch die Reinkarnation „ermöglicht“. Denn Buddha sagt (und wenn hier von Buddha die Rede ist, ist das in nahezu allen Fällen die Lehre des 4. Buddha, des ehemaligen Prinzen Siddharta, des Gautama Buddha): alles Leben auf der Erde ist Plage, Schmerz und Leid. Der Mensch strebt nach Überwindung dieses Leidens. Leid ist das Ergebnis unseres Strebens nach Besitz, der Gier, der Habsucht und der Bequemlichkeit. Die Reinkarnation verheisst dem Menschen die Möglichkeit zu einer neuen Chance, wenn er in diesem jetzigen Leben das Nirwana nicht erreichen kann. Und wer kann das schon.

Und damit hat Buddha Gautama die Basis für das Überleben auf dieser Welt seit über 2.000 Jahren geliefert. Einen pragmatischeren Ansatz gibt es wohl kaum. Dieser Grundsatz bestimmt die Wertigkeit von Leben in dieser Region. (Die Birmanen bezeichnen sich zudem als die „Lieblinge“ und direkte Nachfahren eines Familienzweiges von Buddha selbst.

Dies ist die Zauberformel, das mehr als elende und, aus unserer Sicht, total rückständige Leben dieser Menschen. Wir haben kaum so viel Armut auf unseren Reisen gesehen – und kaum zufriedenere Menschen. „Wenn es mir in meinem jetzigen Leben nicht gut geht, dann bleibt mir die Hoffnung auf das nächste, das natürlich besser wird. Und wenn es meinem Nachbarn tausend mal besser geht, dann wird er sicherlich in diesem jetzigen Leben für die Mühe und Plage in seinem letzten belohnt“ So einfach ist das. Zur Überwindung von Habgier und Neid hat Gautama schon von mehr als 2000 Jahren die Grundregeln des christlichen Glaubens gepredigt: Nächstenliebe,Demut, Fleiss, Ehre den Alten/Eltern gegenüber, Friedfertigkeit. Also alles in allem ideale Voraussetzung für eine optimale Leidensfähigkeit. Daher war und ist dieses Land nahezu prädestiniert für ur-kommunistische Grundsätze aber auch für ein friedfertiges Miteinander – und damit Korruption und Militär-Gewalt schutzlos ausgeliefert.

Sollte hier jemand glauben, dieses Land sei durch das Konzept westlicher Demokratie zu retten, dann irrt er – gewaltig. Die Menschen haben in sich selbst keinerlei Antrieb, sich durch Gewalt von einer Militärregierung zu befreien. Sei sie auch noch so korrupt. Und da die Zeit hier nahezu still gestanden hat – ist dieses Land in erster Linie ein Agrarland. Landwirtschaft und einfaches Handwerk bestimmen den Lebensunterhalt der Menschen. Und die Sonne schein von ca. 6.00 bis 18.00, jeden Tag, Sommer wie Winter. Diese Zeit muss genutzt werden für den eigenen Lebenserhalt. Da bleibt wenig Zeit für Schule und Weiterbildung – und somit ist das historische Wissen mehr als „unterentwickelt“. Also weiss kaum ein einfacher Mensch, dass dieses Land über viele Jahre von den Engländern unterdrückt wurde – die ihm auch den Namen „Burma“, nach den Bewohnern der Ebene um die Stadt Yangon (Rangoon), den Burmanen gegeben haben. Diese sind jedoch nur ein kleiner Prozentsatz der Gesamtbevölkerung, die aus ca. 15 Nationen besteht. Und unverändert in ihren Stammesgebieten wohnt, bis zum heutigen Tage teilweise noch unabhängig von der Zentralregierung, bzw. sogar im offenen Krieg lebend.

ZurĂĽck zu den Menschen im Buddhismus Birmas:

Asiaten sind Weltmeister in der Assimilation. Die Natur-Religionen/-Philosophien wurden von je her in neue Strömungen aufgenommen und total integriert. Ist ja im Christentum nicht viel anders (siehe Weihnachten und der Ursprung dieses Festes). Die Menschen können sich stets die für sie günstigste Konstellation von Buddha und den „Schutsgeistern, den Nats“ basteln. Für jeden Zweck, Beruf oder Problem gibt es den zuständigen Geist/Nat, an den man seine Problem „problemlos“ weiterreichen kann.

Oder:  Jede Familie entsendet mindestens ! ein männliches Mitglied einmal in seinem Leben in das Kloster als Mönch. Mönch sein kann heissen, für 3-4 Tage, für ein Jahr oder das ganze Leben. Der Tagesablauf der Mönche ist zu Tagesbeginn durch das „Erbetteln“ von Lebensmitteln für sein Kloster bestimmt. Nach getaner Arbeit, das Essen gibt es dann abends, steht der Tag für Meditation und Weiterbildgung zur Verfügung. Aber auch Mönche können sich vom Essensammeln oder gar den Meditation befreien – freikaufen. Für alles gibt es sicher einen Ersatzmann 🙂

Somit gibt es sehr ! viele Mönche in Birma (das Prinzip wird u.a. auch in Thailand geführt).

Mönche sind allerdings das Bildungsgerüst für die Menschen. Weiterbildung wird von den Klöstern betrieben, mit eigenen Schulen, Universitäten. Auch nehmen sie eine wichtige soziale Funktion wahr. Es erstaunt, dass in den Klöstern immer wieder Kinder zu sehen sind. Ähnlich wie dies bei uns auch im Mittelalter gepflegt wurde, nehmen sich Klöster den Waisen oder besonders armen Kindern an. Sie garantieren das Überleben und eine Basis an Bildung. Später gehen diese Kinder zurück in das profane Leben.

Nach der britischen Kolonialzeit trifftete das Land, vom 2.Weltkrieg geschunden, unmittelbar in einen Kommunismus eigenen Stils. Der Vater (Aung San) der jetzigen Oppositionsführerin hatte das Land als Studentenführer damals in die  Unabhängigkeit von Grossbritannien geführt. Amis und Briten haben 1945 das noch existierende Königreich/-haus bzw. den Königspalast in Mandalay zu Asche gebombt, nachdem die Japaner zuvor auch hier dramatisch gehausst haben.

Aber die Grundmenthalität des Volkes (siehe Buddhismus) liess die Menschen überleben – wie sie es seit hunderten von Jahren gewohnt waren. Keine Chance und Zeit für einen industriellen Aufbau. Ackerbau, Viehzucht und Handwerk bestimmen die Szene. Im Familen- oder im Dorfverbund. Mogli würde sich wohlfühlen. Die Mädchen holen abends, nach Sonnenuntergang, unverändert das Wasser in Tonkrügen von der Quelle, auch wenn diese mittlerweile betongefasst und mit Motorpumpe betrieben wird. Gewaschen wird unverändert in den Flüssen.  Sie sind der Transportweg, über den die produzierte Ware zum Abnehmer gebracht werden kann. Gibt es keinen Fluss in der Nähe ist noch immer der Ochsenkarren gepaart mit dem Fahrrad bzw. Moped das probate Transport-mittel. Die Strassen, so man diese so nennen kann, teilen sich betagte LKWs und Ochsenkarren, Pferdekutschen, Radfahrer und Fussgänger. Je näher China ist, desto reger der Verkehr und desto moderner die Transportmittel.

Auch die Nähe zu Thailand fördert Wohlstand und Moderne. Die Völker entlang der thailändischen Grenze, z.B. die Chan oder Karen,  oder die Mon im Westen zur indischen Seite, haben lange Zeit ihre Freiheitskämpfe durch Schmuggel und Anbau von Mohn finanziert. Waren aber auch die Wegbereiter für westliche Kultur. Trägt der oder die Birmane/-esin noch heute den klassischen Longhi (eine endlos zusammengenähte Stoffbahn), so werden in diesen Regionen Jeans getragen und die Mädchen den Bauchnabel offen, die Musik klingt vertrau westlich. Die Autos sehen aus wie wir sie hier kennen. Das soll alles nicht heissen, dass das gut ist. Aber moderne Kulturen, Einstellungen und Wissen kam über diesen Umweg in das Land. Die Birmanen wissen erst seit gut 10 Jahren, dass es andere Völker in ihrem eigenen Land gibt – geschweige denn ausserhalb. Ausser, es sind verwandte Völker wie die Thais oder Chinesen.

Mittlerweile verfügt nahezu jedes Dorf über Stromanschluss. Die Häuser, zumindest aber Schulen oder das Haus des Dorfältesten, verfügt über einen DVD-Player und ein TV-Gerät. Den Chinesen sei es gedankt. Da jedoch die Bildungs-Basis im Volk fehlt, ist auch TV kein Zaubermittel, um Demokratie zu verbreiten. Im Gegenteil, es hilft der Indoktrination. Die Militärregierung ist auf den Bildschirmen präsent – von morgens bis abends. Daher liegt sowohl für das Land als auch die Welt die Hoffnung auf den Mönchen. Und einer umsichtigen Intelligenzia, die sich dem Volk annimmt. Vielleicht ist eine Mischung aus dem indischen und dem chinesischen Weg der Weg in die Zukunft. – Das Bildungssystem ist eigentlich positiv. Grundkenntnisse werden bis in die ländliche Tiefe des Volkes vermittelt. Es fehlt allerdings an Lehr- und Lernmaterial. Die Kinder sind gezwungen, alles !! auswendig zu lernen. Was allerdings bedingt durch das Schriftsystem unterstützt wird, wie alle Länder Asiens über ihr Schrift-zeichensystem einen Vorteil in der ganzheitlichen Erfassung von Begriffen, Zusammenhängen und Vorgängen haben. Die zunehmend verbreitete Bildung wird allerdings auf kurz oder lang zum Problem für die regierende Junta. Und das Thema wird durch die moderne Kommunikationstechnik „verschärft“. In Kreis- und natürlich Grossstädten, von den Klöstern ganz zu schweigen, ist das Internet mittlerweile schon eingezogen. Auch wenn die Regierung Seiten wie Yahoo oder Google oder gar BBC etc. sperrt. Auch Der Spiegel war gesperrt, Deutsche Welle oder netzeitung.de dagegen nicht.<

Nun, durch dieses schöne bunte Land sind wir gefahren. Und haben dabei so ziemlich alle Transportsysteme genutzt, die man sich vorstellen kann, pick-ups, Kleinbusse, Reisebusse, Ochsen-karren, Pferde-kutschen, Flussschiffe, Fähren, Aussenbordboote, Flugzeuge und eine wunderbare Ballon-Fahrt. Whow.

Jedoch darf man nicht vergessen, dass sowohl die Strassen, insbesondere die besser ausgebauten Verbindungen nach China, als auch die nach 1988 erbauten Hotels fĂĽr die Touristen in Rangoon, Bagan oder am Inle-See von „Zwangsarbeitern“ geschaffen wurden. Die einfache Bevölkerung musste eines ihrer Kinder zur Zwangsarbeit schicken. Andernfalls hätten sie hohe Strafen zahlen mĂĽssen.

In den Segmenten Land, Leute, Mönche werde ich noch einige Ausführungen zu eben Land und Leuten machen. Auf jeden Fall ergab diese Reise eine Fülle an Bildmaterial – und noch mehr Erinnerungen und Eindrücke.

Vor 40 Jahren hatte ich das Land erstmalig betreten – und die Zeit ist einfach stehen geblieben. Nahezu. Nun regt sich im Land neue Hoffnung. Am 1.4.2012 finden im Land Nachwahlen statt, zu denen erstmalig auch wieder Aung San Suu Kyi zugelassen ist. Das Land und die Welt hoffen auf einen Neuanfang in Richtung Demokratie. Wir drücken alle die Daumen !!!    Mehr und background hier in den Dokumenten des >Der Spiegel<    http://www.spiegel.de/thema/aung_san_suu_kyi/#ref=ipadapp

Forsetzung von Seite 1:

Wenn die freie Welt vernĂĽnftig und besonnen bleibt. Werden die Sanktionen vorzeitig abgebaut, kommen die alten Generäle wieder an ihr gestohlenes Geld, dann….!!   Noch ist die Situation trĂĽgerisch. Die Hoffnung der Menschen in Birma und der ganzen Welt ruhen auf dieser Frau.    Mehr zu Aung San Suu Kyi, Tochter des „Befreiers von Birma“,  ist u.a. nachzulesen in den Dokumentationen in >Der Spiegel<   http://www.spiegel.de/thema/aung_san_suu_kyi/#ref=ipadapp. Und eine Zusammenstellung des >Spiegel> incl. Bildstrecke und Video hier: http://m.spiegel.de/politik/ausland/a-825140.html .   Ebenso ein Porträt aus >Die Welt> :  http://hd.welt.de/inbox_ipad/article106143876/Sie-ist-nicht-nur-schoen-sie-ist-extrem-hart.html  Hierzu verweisen wir besonders auf den jetzt angelaufenen Film: <The Lady> http://de.wikipedia.org/wiki/The_Lady   oder den entsprechenden Trailer:   http://www.thelady-film.de/mobile/index.html

Birma – das Land ->Der Click zu den Reisebildern

Birma – und seine Kinder -> Der Click zu den Reisebildern

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Birma – und der Buddhismus -> Der Click zum Thema Buddhismus

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