Kanal-Inseln & Bretagne

ein reisereport:

Celtic Sea: Kanal-Inseln & Cap Finistére

Rouen

der Weg zu den Kanalinseln und der Bretagne führte uns über die historische Hauptstadt der Normandie.: Rouen. Keine Seine-Metropole wie Paris – aber eine wunderschöne im Kern mittelalterliche Stadt am Seinebogen vor einer piktoresken Mittelgebirgskulisse. Und lange Zeit blühende Hafenstadt. Jetzt wird das Ufer durch Hausboote in Zweierreihe gesäumt. Rouen ist die Stadt der -> Jeanne d’Arc. Hier haben die Franzosen sie auf den Scheiterhaufen geführt, hier huldigen die Franzosen ihr als Nationalheilige. Daher sollte eine Besichtigung der ->Eglise Saint Jeanne d’Arc.  zum Besuchsprogramm gehören. Genau wie die -> Cathedrale Notre Dame als auch der ->Uhrenturm/Le Gros Horloge. Das Zenrum der Stadt ist gleichzeitig ein verträumtes mittelalterlisches Kleinod. Mit einer Vielzahl an einladenden Restaurants/Cafes und öffentlichen Plätzen. Zeit sollte man sich auch für das ->Musee de Beaux-Arts nehmen. Die Sammlung der Impressionisten ist beachtlich. Ganz besonders in diesem Sommer (2016) mit der Sonderausstellung ->Scènes de la Vie Impressioniste mit u.a. Manet, Monet, Renoir oder Morisat. Klar, Rouen und Normandie sind einen eigenen Urlaub wert, wir waren halt auf der Durchreise zu den Kanalinseln

Chanel Islands

die -> Kanalinseln besitzen einen Sonderstatus: die ->Bailiwick of Guernsey bzw. Jersey sind der britischen Krone unmittelbar unterstellt. Staatsoberhaupt ist also die/der jeweils amtierende König/in. Sie gehören nicht !! zu Grossbritannien. Und in diesen Tagen des ->Brexit besonders wichtig: sie gehören auch nicht zu EU! Sie sind seit ca. 1.000 n.Chr. englisch, nicht englischsprachig ! Sprache war bis Ende des 19.Jhdt. ->Patois, der normannisch-französische Dialekt. Darum hat wohl auch ->Victor Hugo auf seiner Flucht vor Napoleon auf den Inseln eine Bleibe gefunden. Noch heute findet man Strassen- oder Ortsschilder mehrheitlich in dieser Sprache. Die Schrift mutet ‚französisch’ an, ausgesprochen wird das aber ‚englisch’. Die besondere politische, sprich steuerpolitische Situation zeigt sich am deutlichsten auf Jersey in St. Helier: die ‚Häusersilhouette’ wird bestimmt von den Namenszügen der Banken und Finanzinstitute aus aller Welt.

Guernsey

Einreise, mit der Fähre aus St. Malo kommend, war völlig zwanglos, schnell und ohne grosse Formalitäten. Personalausweis hochhalten, that’s all. Zentraler Ort/Hafen-/Hauptstadt ist ->St. Peter Port. Bestehend aus Hafen incl. kleinem Fischereihafen, der alle sechs Stunden völlig trocken liegt, einer kleinen Hafenstrasse (Promenade wäre etwas übertrieben) mit ein paar Restaurants und Geschäften und dann einer abknickenden Parallelstrasse wieder zurück. Vorbei an den eben gesehenen Häusern in der zweiten oder dritten Etage. Hat man einmal ein Geschäft dort betreten, merkt man schnell, dass man unten im Parterre plötzlich wieder auf der Uferstrasse steht. In der oberen Strasse, der High Street, wirkt das Ganze dann schon eher wie eine kleine Shopping Mall. Anschliessend erreicht man den winzigen Marktplatz mit der Markthalle und steht danach sofort in den Gassen der darüber gelegenen Altstadt. Mit vielen kleinen Gassen, Geschäften, von Antiquitäten bis Kunsthandwerk und kleinen aber durchaus feinen Restaurants. Was es allerdings nicht hat, das sind Parkplätze. Wer also einen Tisch reserviert hat, sollte sowohl die Suche nach als auch den Weg vom gefunden Parkplatz in sein Zeitmanagement einbeziehen. – Das führt uns zum Stichwort ‚Strassen auf Guernsey’. Qualitativ keinerlei Problem. Quantitativ, sprich Strassenbreite aber um so mehr. Sind oder waren halt konzipiert für Fussgänger, Reiter, Kutschen oder auch Fahrräder. All die vorgenannten haben übrigens auf der ganzen Insel Vorfahrt. Höchstgeschwindigkeit ist zwar 50km/h bzw. 35 miles. Realzufahrende Geschwindigkeit liegt dann eher bei 15-20 km/h. Es sei denn man fährt, wie das wohl viele Inselbewohner machen, mit eingeklapptem oder schon gänzlich abgerissenem Rückspiegel durch die Gegend. Denn es hat nun mal Gegenverkehr. Auch wenn man das Gefühl hat, das muss eine Einbahnstrasse oder gar ein Radweg sein. Pfeile auf der Strasse erinnern immer wieder, dass es durchaus Gegenverkehr gibt. Also muss man stets in Erinnerung behalten, wo war da eben eine mögliche Ausweichstelle. Das Fahrverhalten der meisten ist allerding vorbildlich, britisch. – Und das führt auch schon zur glänzenden Kehrseite der Medaille:        Nahezu jedes Grundstück ist von einer kleinen Mauer, einem kleinen Erdwall oder Zaun umgeben. Und jetzt kommt die ‚Blumeninsel’ zum Zuge! Jede ! Mauer, Erdwall oder Zaun ist mit Blumen oder blühenden Rankpflanzen bewachsen. Und jetzt im Frühling blüht es rechts und links – wie in einem Farbrausch. Die Farbenpracht ist kaum zu beschreiben. Diese Flora trägt auch ganz bestimmt zur Entschleunigung im Strassenverkehr, ja im Inselleben bei.   –  Dem Autotouristen sei jedoch geraten, das Auto lieber stehen zu lassen. Das Bussystem, der ÖPNV der Insel, ist bestens ausgebaut. Und wer im Bus sitzt, der sieht was vom Land. So schön die farbenprächtigen Umrandungen auch sind, den Autofahrer behindern sie an der Sicht auf das Land dahinter. Sehr viele Strassen sind allerdings sehr klein und nahezu unbefahren, dass sie sich als Radwege hervorragend eignen. Wer allerdings eine Radtour plant, sollte gutes Kartenmaterial und leicht gehobene kartographische Grundkenntnisse besitzen. Denn die Ausschilderung der Radwege ist sehr bescheiden. – Was macht eine Insel noch aus? Strände! OK! Auf Guernsey aber wohl noch mehr die Steilküsten die  -> Cliffwalks. Traumhaft!! Diese Wanderwege sind erstens gut beschildert und hervorragend gepflegt. Und halten in kleinen Buchten immer wieder die eine kleinere oder grössere ‚Jausenstation’ bereit. Wie z.B. in der Region von ->St. Martin bei St. Peter Port in der ->Fermain Bay.  Die Buchten im Nord-Westen wie beispielsweise die -> Perelle Bay  (auf diesem link sind enige Bilder der Bucht zu sehen) sind lohnendes Ziel für eine sonnige Radtour.   Als ‚Attraktion‘ gilt eine Sonderheit in der Mitte der Insel: -> the Little Chapel. Ein ganz klein bisschen an Gaudí erinnernd hat hier ein Mönch (Déodat) Anfang des letzten Jahrhunderts eine Kapelle geschaffen, die schon recht ’sehenswert‘ ist. Manch einem wird sie wie eine muschelgeschmückte Sandburg vorkommen. Nun denn.

Jersey

Als erstes fällt in -> Jersey die ‚für uns völlig normale’ Strassensituation auf. Hat man die Fähre verlassen und reiht sich in den Verkehr von ->St. Helier ein, fühlt man sich eigentlich wie zuhause, halt links. Eine ganz normale englische Kleinstadt, mit normal breiten Strassen, Verkehrsampeln, Fussgängerzone etc. Von Insel eigentlich nix zu spüren. Nicht mal der übliche kleine Fischereihafen. Auch sonst auf der Insel hat man eher das Gefühl, auf dem englischen Festland zu sein. Die Einkauf-/Fussgängerzone gibt sich wie in jeder europäischen Kleinstadt. Einzelhandel hauptsächlich Filialisten, Coffeeshops, etc. – wären da nicht die auffallend vielen Banken bzw. Finanzdienstleister. Halt! im Zentrum befindet sich eine hübsche kleine Markthalle sowie gleich dahinter ein Fischmarkt. – Fährt man aus St. Helier raus, ist man mitten auf dem Land. Landleben pur, Viehweiden für die berühmten Jersey-Kühe. So richtige Dörfer wie hier bei uns gibt es eher nicht. Was immer wieder auffällt sind doch recht grosszügig geschnittene Häuser – Villen. Das war auch auf Gurensey nicht viel anders. Geld scheint auf den Inseln also reichlich vorhanden zu sein. – Richtung Osten erreicht man nach einer knappen halben Stunde von St. Helier aus eine mittelalterliche Burg , ->Mont Orgeuil. Oberhalb des malerischen Fischerdorfs Gorey thront majestätisch eine gewaltige Burg. Komplett und bestens erhalten. Echt sehens- und besichtigungswert. Ist es doch wohl die einzige englische Mittelalter-Festung zu deren Füssen die Ritter ‚unter Palmen’ wandeln konnten. Die Vorstellung, normannische/englische Ritter in blinkender Rüstung im Strand unter Palmen – hat was. 🙂 Vielleicht waren die Rüstungen aber auch eher rostig – von der salzhaltigen Seeluft.    Im Norden der Insel kann man ein ‚bocca do inferno’  das -> Devil’s Hole bewundern. Ein Felsloch, durch das bei Flut ‚geysirhaft‘  das Meerwasser gepresst wird. – Das ganz in der Nähe gelegene Weingut -> La Mare Wine Estate kann gegen ein nicht zu knappes Eintrittsgeld besichtigt – und die Weine dann auch verkostet werden. Es scheint aber nur ‚liebliche’ Rote, Weise oder Roses zu bieten. Für englische Geschmäcker vielleicht verkostungs- oder gar trinkfähig. – Apropos Touristen:  gefühlt sind es zu 90% Festland-Engländer. Ein paar versprengte Franzosen, Deutsche, Holländer oder Skandinavier haben wir getroffen. Portugiesen und auch Polen scheinen hier recht häufig zu arbeiten. – Lohnende Ziele finden sich zu Hauf  in den angrenzenden Buchten von St. Helier, der ->St. Aubin’s Bay oder der ->St. Breland’s Bay. In allen Buchten stehen mittelalterliche Forts, die bei Ebbe durchaus zu Fuss erreicht werden können. Bei Flut sind sie halt Wasserburgen. – Ja – Ebbe und Flut. Wie überall am Englischen Kanal sind sie das Tagesablauf bestimmende Element.  Gefühlt war bei uns fast immer Ebbe. Denn die war stets am Vormittag und am Abend. Viele Orte wirken optisch allerdings erst bei Flut mit den rumdümpelnden Fischerbooten. Kann man aber halt nicht immer drauf warten 🙂  Und was Jersey kilometerlang zu bieten hat – das sind Strände! Ganz im Westen die -> St. Queen’s Bay wartet mit ellenlangen Stränden auf. Mal fast mediterran breit – bei Ebbe. Oder mal ganz verschwunden. Drei bis vier Surfer an einem Strandsegment waren da schon manchmal ‚crowded’.

Beide Inseln haben zweifelsohne ihren eigenen Reiz. Und zwei, drei Tage werden ihnen nicht gerecht. Es war also ein Schnupper-Urlaub. Was wir aber sagen können ist, dass man Jersey locker durch einen Urlaub auf dem englischen Festland ersetzen könnte. Allerdings muss man dann auch auf die Palmen verzichten. Und auf die nicht nur kulinarische Nähe zu Frankreich. Und das wäre wieder ein grosser Verzicht. Wir wurden in keinem Restaurant auf den Inseln entäuscht. Der französische Einfluss auf die Küche ist schon ganz schön entscheidend 🙂

Bretagne – Cap Finistère – Cote des Sables – Plouescat

Waren die Channel Islands das hor d’oeuvres – dann kommt jetzt der Hauptgang. -> Bretagne – zehn Jahre später. OK, Vergleiche der Regionen passen nicht so recht. Aber irgendwie hängen die Länder der ->Celtic Sea schon zusammen. Auf den Strassen in der -> Bretagne,  genauer: im -> Finestère fallen mittlerweile die sehr oft zweisprachigen Hinweis- oder Ortsschilder auf. Das gab es vor zehn Jahren eher nicht. Die Bretagne wird einerseits durch die Landwirtschaft dominiert, Getreide und Artischocken. Und – für uns zumindest – andererseits durch die katholische bzw. christliche Kultur. Kirchen mit riesigen Türmen und Zinnen sowie Kirchhöfe zieren auch das kleinste Dorf.          (-> planet schule schreibt: In zahlreichen Ortsnamen ist das Bretonische präsent (bretonisch ‘plou‘ = Pfarrei in ‘Ploermel‘ – Pfarrei des St. Armel; ‘tre‘ = Weiler in ‘Tregastel ‘; oder ‘lan‘ = Einsiedelei in ‘Landevennec‘ – Einsiedelei des hl. Vennec). Im abgeschiedeneren Westen, in Finistère, Morbihan und Côtes d’Armor, hat sich das Bretonische auch heute erhalten.)  Die ->Pfarren, die -> Plou….sind umfriedete Kirchhöfe mit einer Hauptkirche, einem Beinhaus und einem Calvaire und hatten regional zusammen mit den jeweiligen Zünften grosse Gewalt. Hier in der Bretagne war das Hauptsächlich der Tuchmacher/Leinenweber bzw. Handel.

Wir hatten unser Domizil diesmal an der Küste, der -> Cote des Sables, in Plouescat aufgeschlagen. Im Unterschied zu den Kanalinseln gibt es hier eigentlich keine Steilküsten, dafür aber viele kleine Strände, Heidelandschaften, Kieferwälder – und gewaltige Hinkelsteine. Hier hatte also Obelix sein Warenlager 🙂 Einer der Schwerpunkte unseres Aufenthaltes sollten die -> Calvaires sein (siehe auch Bericht Bretagne 2006). Die Bildstöcke/Kalvarien(berge) in den sog. ->Enlose paroissiaux (umfriedete Kirchhöfe) sind ein Zeugnis der Blüte der Region im 16./17. Jhdt. Nahezu wettbewerbartig haben die Pfarren sich in der Errichtung, Gestaltung und Ausstattung von Kirchen, Beinhäusern und eben der Calvaires überboten. Die Calvaires zeigen in erster Linie die biblische Geschichte in Form von Steinskulpturen nahezu altarhaft auf. Martin Luther gab es hier halt noch nicht. Lesen und schon gar nicht Latein konnten die Bauern nicht. Aber dreidimensionale Bilder konnten auch die Bauern verstehen. Besonders beeindruckend ist die präzise/realistische und beeindruckende künstlerische Leistung, die einzelnen Gesichter und Gesichtsausdrücke im groben, grauen Granit. Bei der Ausgestaltung der Figuren hatte man durchaus Bezug auf die aktuelle Kleiderordnung bzw. typischen Standesmerkmale genommen. Was ja auch in heutigen Kunstwerken geschieht. Die Pfarren/Ortschaften liegen teils nicht einmal fünfzehn Kilometer auseinander. Die sog. -> Calvairetour war dann eine der Höhepunkte. Nicht alle sieben, aber doch die meisten. Als da sind: -> St.Thegonec aus dem 17. Jhdt, ->Guimiliau,  gilt als der ‚harmonischste‘ Enclos paroissal, aus dem 16. Jhdt. Dann -> Sizun mit der bedeutenden ‚Triumphpforte und -> Ploudiry mit einem der imposantesten Beinhäuser, Mitte 17. Jhdt. Eine kleine Auswahl finden Sie in der anhängenden Bilder Galerie.

Eine Radtour von -> St.Pol-de-Leon, mit ebenfalls ausdrucksvoller Kathedrale, Beinhaus, Calvaire, nach ->Roscoff schloss unsere Tour ab. Radwege in der Bretagne sind hervorragend ausgeschildert. Und führen über wirklich kleinste Strassen, Landwirtschaftswege – abseits der grossen Verkehrsstrassen. So auch dieser. Durch Getreide- und vor allem gewaltige Artischockenfelder, es war gerade Erntezeit, Kiefernwälder, entlang der Kanalküste und dem Fährhafen nach England bis in das mittelalterliche ->Roscoff. Hatte ein bisschen was von Mt.St. Michel – was den Touristentrubel betrifft. Aber das gehört halt dazu. – Strände entlang der Cote des Sables gibt es natürlich auch. Mal gross, mal klein. Und bei Ebbe eben entsprechend noch kleiner etc. Weitaus attraktiver für uns war das Strand-Hinterland. Gezeichnet von den gewaltigen Obelix-Steinen, rosa-rot schimmernden Heidelandschaften, schattigen Kieferwäldern, Kuhweiden, Pferdekoppeln und sich dadurch windenden Strässchen. Eben ein echtes Fahrradparadies. – Und von der Küche wollen wir gar nicht reden – sondern nur träumen oder erinnern. 🙂

Links zu einigen Restaurants der Tour die wir reinen gewissens empfehlen können: –folgen-

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