Kyffhäuser-Spreewald-Usedom-Lüneburger Heide 2020

Deutschland 3.0

Brav, gemäß der Anregung unseres Bundes-Gesundheitsminister haben wir dieses Jahr nur Deutschland-Reisen unternommen. Allerdings waren alle Reisen bereits im letzten Jahr geplant und auch gebucht worden. Vorauseilender Gehorsam 🙂 Deutschland 1.0 war > Ostfriesland mit Greetsiel. Mit Deutschland 2.0 folgte der Süd-Westen: >Bodensee/Lindau mit der leider nicht stattgefundenen Kultur-tour zu den Bregenzer See-Festspielen. Und nun Deutschland 3.0, die 3.Tour, diesmal in den äußersten Osten der Republik, in den Spreewald und den Nord-Osten, nach Usedom. Start war Thüringen mit dem Kyffhäuser-Denkmal bzw. dem alten Barbarossa und Abschluss dann in der  blühenden Lüneburger Heide bei Wilsede.

Generell können wir sagen bzw. feststellen, daß sich die Situation „normalisiert“ hat, so man das unter Corona-Aspekt sagen kann. War das Tragen von Gesichts- und Mundschutz auf Tour 1.0 noch ungewohnt und „etwas Besonderes“, in Ostfriesland hatte die Mehrheit eher keine Maske dabei, gehört es heute bei fast allen Altersgruppen zum normalen Outfit. Auch der Abstand wird in aller Regel eingehalten. In Restaurants in Nord, Süd oder Ost steht an jedem Eingang ein Desinfektionsautomat oder zumindest eine entsprechende Sprühflasche, zur Infektions-nachverfolgung werden die Personalien erfaßt, die Tischabstände sind entsprechend großzügig eingeteilt, wenn man eh nicht  bevorzugt im Freien speist. Ausnahmen bestätigen leider überall die Regel. Im benachbarten Ausland, egal ob Österreich, Schweiz, die Niederlande oder Polen sahen die Hygieneregeln allerdings deutlich „lockerer“. Der Mund-Nasen-Schutz war hier bei vielen Kellnern oder auch Einzelhandelsmitarbeitern eher ein ‚Kehlkopfschutz‘.

Grunderkenntnis  für uns ist jedoch das Gefühl: Reisen bzw. Urlauben vor Corona war einfach schöner! Die unsichtbare Existenz dieses Virus verbreitet allseits ein Unwohlsein, eine Unsicherheit. Verdirbt den Spaß. Keine echte Freude mehr auf einen Kurztrip in eine reizvolle Destination. Keine echte Vorfreude auf ein schönes Abendessen mit entsprechendem Ambiente. Drei,  vier oder mehr Stunden im Zug oder im Flieger sitzen – ist schon vorempfundener Stress. Ja, wir können insbesondere die jungen Menschen durchaus verstehen, die all diesen Zwängen entkommen möchten. Aber Disziplin und Verantwortung für unsere Mitmenschen haben Vorrang!

Nun, kommen wir zu den Reisestationen:

1. das > Kyffhäuser Denkmal: auf dem Weg nach Berlin immer wieder mal von Ferne gegrüßt, nun endlich mal als Ziel ausgewählt. Die Parkplätze waren, erfreulich, leer. Die KfZ-Zeichen rekrutierten sich vorrangig aus ostdeutschen Landen. Das Denkmal ist ja eigentlich ein >Kaiser-Wilhelm I.– Denkmal. Aber im Volksmund und -gedächtnis ist es das > Barbarossa-Denkmal. Also eher ein > Friedrich I. -Denkmal. Erblickt man den hier dargestellten Barbarossa das erste mal, denkt wohl so ziemlich jeder >LOTR (Herr-der-Ringe- bzw. Tolkien-Fan) an den Zwergenkönig > Gimli. Die Filmemacher müssen auf jeden Fall mal an diesem Denkmal gewesen sein. Wer die >Porta-Westfalica oder das >Völkerschlachtdenkmal in Leipzig kennt, hat ein gewisses dejavu Gefühl. Allein der Ausblick über die thüringischen Lande lohnt den Aufstieg auf das gut 80m hohe Bauwerk. Auch hier galt, brav mit Abstand in der Reihe warten und mundgeschützt hochkraxeln. Hat sich auch jeder dran gehalten! Wer am historischen background interessiert ist, dem seien die links (s.o. in lila bzw. blau) empfohlen. Wer also auf seinem Weg nach Berlin oder im Thüringischen unterwegs ist, dem sei ein Abstecher zum Denkmal empfohlen. Unweit des ‚Barbarossa‘ liegt der kleine Kurort  >Bad Frankenhausen. Verträumt mit leichtem DDR-Nostalgie-Hauch, für Übernachtung aber ideal (z.B. Hotel Anger).

Station 2 war dann der > Spreewald in oder bei > Lübbenau. Land der Sorben, Umfeld der >Spreewald-Krimis. Ja, was erwartet uns da? Selten eine Destination auf unseren Reisen erlebt, die so schwierig zu erfassen und begreifen war. Eine Waldlandschaft, durchzogen von unendlich vielen Kanälen, Gräben, Bachläufen – die Spree. Aber auch lauschige Wälder, kleine Lichtungen – und Moore. Bei Sonnenschein ein herrliches Ambiente. Bei Regen und Nebel eine Gespensterlandschaft. Man stelle sich einen lichten Wald vor, der von vielen Wasserläufen durchzogen ist. Der Wanderer muß ständig treppauf, treppab über Brückchen laufen. Vom Radfahrer ganz zu schweigen. Wehe er fährt mit einem eBike. Der sollte sich ganz genau überlegen, welche Wege er wählt. Denn so ein eBike wiegt!! Endlose Laub-Waldlandschaft heißt aber auch, stets ein sonnenminderndes Dach über dem Haupt zu haben. Im Hochsommer ein Labsal. Ohne Sonne??!! Und erspäht man ein sonniges Plätzchen, dann ist es in aller Regel ein Weiler, ein Dörfchen, ein Rasthaus. Das ist schön. Aber, ehrlich gesagt, auch etwas bedrückend, auf Zeit. Also: möglichst nur bei Sonnel, ist unsere Empfehlung.

Jede Herberge oder Weiler im Großraum Lübbenau bietet eine Bootstour und/oder Ruder- oder Paddelboote zur Miete an. Landkarte dringend erforderlich. Die Region ist ein Labyrinth! Man schippert zwar auf der Spree und die fließt nur in eine Richtung! In manch einem Kanal oder Siehl ist Umdrehen schon eine Kunst für sich. Und dann die „Gondoliere“ – besser die Fährleute: im Unterschied zu  Venedig wird hier nicht gerudert sondern gestakt. Und wir hatten den Eindruck, daß diese, mehrheitlich Herren, die ‚alte DDR noch gut kannten‘. Nicht ganz so redseelig wie die Kollegen im Hamburger Hafen – aber auch ein Typ für sich. Jeder führt und fährt seinen! Kahn, der wie eine alte Droschke höchst individuell ge- bzw. ausgestaltet ist. Ach ja, da war und ist ja noch immer dieses Corona-Virus. Die Gäste sitzen zwar in vielen Booten auf gegenüberliegenden Bänken, durch ein Tischchen getrennt, aber Gesichtsschutz iss nicht. In den meisten Fällen zumindest. Es hat aber auch hintereinander gereihte Sitzbankvarianten. Wer also auf Nummer Sicher gehen will, wählt eines dieser Boote. Zwischen den Sitzbänken haben alle mittlerweile einen Plexiglasschutz montiert. Bei schlechtem Wetter können einige ein ‚Verdeck‘ aufstecken. Oder Regenschirme verteilen 🙂 Viele! Nicht alle! Also Augen auf bei Boots- und Wetterwahl!

Hotels oder Pensionen bis Ferienwohnung gibt es reichlich. Von bis. Und wer abends nicht halbpension-versorgt ist, auf den warten reichlich hervorragende Restaurants. Aber Achtung: ab ca. 17.00 ‚werden die Bürgersteige hochgeklappt‘. Selbst mit nem Eis oder Kaffee und Kuchen ist dann oft Sense. Restaurants machen so gegen 21.00 Feierabend. Und sind hoch frequentiert. Was auch was mit Corona zu tun hat. Daher immer möglichst vorher Tisch reservieren!! Gefallen hat uns u.a. das ‚Schloßrestaurant‘ in Lübbenau ( Hotel Restaurant Schloß Lübbenau ) oder ganz  verträumt direkt an einem Fleet gelegen das Kaupen No.6 in Lehde (Ortsteil von Lübbenau). Genächtigt hatten wir u.a. im > Bludnik in Lehde, mitten im Wald. Koffer o.ä. also durch den Wald tragen, Auto ‚ganz weit vorne auf einem Parkplatz abstellen‘. Ein Ausflugsrestaurant, nur zu Fuß oder per Boot zu erreichen. Rustikale Kost – oder Selbstverpflegung auf der Terasse – allein. Hat nur zwei FeWo. Nach Betriebsschluß ca.18.00 ist man eben allein. Und allein heißt allein. Ruhe pur!

Last not least: erlebt haben muß man das mal. Und wer mit dem Wetter Glück hatte behält eine unvergesslich schöne Erinnerung!

< 3. Station: >Usedom bzw. > Heringsdorf/Kaiser-Bäder: Ist zwar für uns mal gerade ein Jahr her, aber immer wieder schön. Nein, geändert hat sich eigentlich nix. Ausser eben Corona. Auf den ersten Blick nicht unbedingt zu erkennen, aber dann ja. Die Strandkörbe stehen deutlich weiter auseinander. Die Menschen ‚knubbeln‘ sich nicht wirklich, weder am Strand noch im Wasser. In den Restaurants bzw. Eiscafés bzw. auf den Wegen zu den Tischen etc. tragen alle Mundschutz. Bedienung ebenfalls. Was  sofort ins Auge fiel: ‚es wimmelte  von Radfahrern‘. Und in derüberwiegenden Mehrheit auch hier ältere Menschen auf eBikes. Wie gut, daß es zumindest im Bereich der Kaiserbäder mit der nahezu durchgehenden Strandpromenade, gesonderte Radwege gab. Gefühlt eine endlose Schlange in beiden Richtungen, ganz gleich ob vor- oder nachmittags. Selbst abends. Bewegung auf der ganzen Linie. Wie gut. Denke mal, die Menschen nutzen die Gelegenheit, in der freien Luft ‚coronafern‘ die Landschaft zu genießen. Denn Strand und Wasser ist einerseits nicht unbedingt jedermanns Sache und man muß ja auch nicht jeden Tag zum Strand.

Ein, aus ‚Heringsdorfer-Sicht‘ empfehlenswertes Ziel ist der äußerste Nord-Westen: > Peenemünde. Für uns weniger aus historisch bzw. militärhistorischer Sicht, von der Heeres-Versuchsanstalt bzw. dem Wirken z.B. des > Wernher von  Braun  und der sog. Raketenwaffe des 3.Reichs hat sicher schon jeder ‚gehört‘, sondern eher wg. der Landschaft entlang des Peenestroms und dessen Mündung in die Ostsee. Nahezu ein klassisches Marschland wie man es fast von Ostfriesland kennt. Und Störche!! Und mittendrin immer wieder Ruinen fast wie alte ‚römische Säulen‘. Die Reste der ehemaligen unterirdischen Raketenlager bzw. Hangars.
Oder auch eines unserer Lieblingsziele unmittelbar an der deutsch-polnischen Grenze: das kleine Fischerdörfchen >Kamminke. Nach einer Radtour durch den herrlichen aber sehr bergigen Buchenwald südlich von Heringsdorf, vorbei am >Wolgastsee, landet man nach steiler Abfahrt durch den Ort am Fischerhafen mit tollem Blick über das > Stettiner Haff. Zurück kann man die ‚untere‘ Route über Polen wählen. Durchfährt dann das polnische Grenzstädtchen >Swinemünde,kann einen Abstecher über den ‚Polenmarkt‘ machen und sich mit preiswerten Textilien oder Zigaretten eindecken und fährt über den breiten Radweg zurück zu den Kaiserbädern.

Bedauerlicherweise haben wohl viele der Restaurants, von der kleinen ‚Jausenstation‘ bis zur feineren Cuisine, Corona nicht überlebt. Also vorher immer checken, ob es die Adresse noch gibt. Und guter Rat: reservieren. Infolge der Coronarestriktionen sind die Restaurants schnell ausgebucht.

Alles in allem wieder ein ruhe- und erholungspendender Urlaub ohne Stress. Auch wenn das Radfahreraufkommen ungewohnt hoch war. Und Strände mit genügend Abstand ‚zum Durchatmen‘. 👍 Nur die Anfahrt aus dem äußersten Westen des Landes ist schon ein wenig nervig. Daher willkommener Zwischenstop in:

4. Station, der >Lüneburger Heidein > Soltau. Da kurzfristig entschieden, war das Finden eines Quartiers garnicht so leicht. Deutschland macht tatsächlich Urlaub in Deutschland! Gut so! Und die Heide blühte. Mit dem Fahrrad herrliche Touren durch dieses Kleinod gemacht, z.B. rund um > Wilsede. Leider ergab es sich, daß wir ausgerechnet an einem Wochenende dort gelandet waren. Dumm gelaufen. Disney Land iss nix dagegen. Nicht nur, daß der Sand immer wieder uns als Radfahrer ausgebremst hatte. Und Radwege gibt es in der Heide nicht! 😊 Die Heide muß wohl an diesem Wochenende auserkorene Anlaufstation für Bustouren o.ä. gewesen sein. Die Leute standen Schlange, um ein Plätzchen für nen Kaffee oder einen Eisbecher zu bekommen. Von Mittagessen oder so ganz zu schweigen. Aber schön war’s trotzdem. Und einsamere Regionen gab es natürlich schon. Aber es freut ja auch, daß die Menschen der Schönheit und Faszination dieser Landschaft erliegen!

Deutschland 3.0 war gleich 4 x Deutschland (Ost). Es war schön und wir haben es genossen. Ganz ohne Fernweh. Wie es wohl weiter geht? Mit Corona. Wir träumen und hoffen natürlich auf eine baldmöglichste ‚Nach-Coronazeit‘. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt! 🤞

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