Ostfriesland/Krummhörn/Greetsiel

Ostfriesland: Greetsiel

BegrĂŒĂŸungstafel Ortseingang Greetsiel

Kleiner Urlaubstest oder Testurlaub zu Coronazeiten –

oder „Urlaubsfreude“ mit Gesichtsschutz und Abstand

Urlaub in Deutschland – nicht nur wg. Corona – Teil 1

Geplant und gebucht im Herbst 2019. Realisiert am Tag 1 nach Covit19, dem ersten Tag nach Wiedereröffnung Niedersachsen’s nach dem Corona-Lockdown fĂŒr Nicht-Niedersachsen. Quasi eine Punktlandung. Wer hĂ€tte das im Herbst 2019 gedacht, geschweige denn planen können.

Gestartet sind wir mit einem, zugegebener maßen, leicht flauen GefĂŒhl. RaststĂ€tten – noch geschlossen. RastplĂ€tze mit WC – Gesichtsmaske ja oder nein?! Nahezu alle Reisende/Parkplatzbenutzer hatten diese Frage mit einem einheitlich deutlichen Ja! beantwortet. Das war schon mal gut fĂŒr den Anfang. Restaurants, am ersten Ferientag gehen wir gewöhnlich etwas Essen in einem guten Restaurant, mĂŒssen vorab reserviert werden. Kein Problem. Auch das ließ hoffen. Das Wetter war im wahrsten Sinn des Wortes sommerlich. Strahlend blauer Himmel. Urlaub kann kommen.

Das Ferienhaus war schon seit letztem Jahr gebucht. SchlĂŒssel im Codesafe neben der EingangstĂŒr. Kurz telefonisch angemeldet. Also keinerlei Personenkontakt. Wohnung in Top-Zustand. Alles Bestens. Nur unser fĂŒr die kommende Woche stĂ€ndiger  Begleiter, der mehr oder weniger stĂŒrmische Wind, forderte eine gewisse Gewöhnung. Aber wir sind hier nu mal an der Waterkant. Der westlichsten Deutschland’s. „Opa, warum heißt Ostfriesland Ost-Friesland?. Wir sind hier doch ganz im Westen!?“

OK, FahrrÀder abladen und auf zur ersten Tour.

Das Haus lag keine 50m vom Deich am Hafen Greetsiel, am Sielzufluß. An der Ley. Im Hafen lagen die bunten Fischerboote in Reih und Glied an der Mole vertĂ€ut.  Besucher/Touristen sehr spĂ€rlich. Eher andere Radfahrer. Aber auch die recht vereinzelt. Wird ein richtig ruhiger Urlaub werden. Erste Tour ging dann immer an der Ley bzw. dem Leyhörner Sieltief entlang durch Auen/Marschen, vorbei an kleinen von hohen GrĂ€sern gesĂ€umten Seen/Teichen bis zum ->Pilsumer Leuchtturm. Ein auf dem Leydeich thronender rot-gelber Leuchttum. Das Wahrzeichen der Region ->Krummhörn/Greetsiel. Wir waren so ziemlich die einzigen Besucher. Und einige zig Schafe, quasi die Anwohner der Salzmarschen. Der Pilsumer Leuchtturm sollt fĂŒr die kommenden Tage unser ‚optisches Zentrum‘ werden. Mal von der Ferne, mal ganz nah. Und immer öfter als beliebtes Zwischenziel: denn ein paar Tage spĂ€ter, vor allem zu Himmelfahrt, stand hier plötzlich eine Pommes- bzw. Fischbude. Mit frischen Matjes-Brötchen!! Und die waren dann das fast tĂ€gliche Mittagessen bzw. der Proviant fĂŒr die jeweilige Tour. Super. ZurĂŒck ging es dann durch die ‚Polder‘ quasi von hinten nach Greetsiel.

Die tĂ€gliche Frage hieß von nun an ‚Hafen,Deiche rechts rum am ->Störtebecker Kanal entlang – weiter bis ->Norddeich, hin und retour 47 km, und Wind, egal ob von vorne oder hinten. Wind war immer. Norddeich war natĂŒrlich das erste Ziel am kommenden Tag. Und dort steppte doch glatt schon der BĂ€r. Es gab fast so was wie Strandleben. Einige Strandkörbe waren sogar schon belegt. Auf der Terrasse oben am Deich herrschte reges Leben. Corona? Bei vielen GĂ€sten anscheinend kein Thema. An den GetrĂ€nke- oder Eisausgaben trugen sowohl die Kunden als auch das Personal Maske. Auch in den WaschrĂ€umen. Alles in allem konnte man allerdings schon eine große Disziplin feststellen. Ausnahmen bestĂ€tigen halt immer die Regel.

Rechts rum hieß dann fĂŒr uns direkt rĂŒber zum Deich, zum Pilsumer Leuchtturm (Fischbrötchen bunkern) und weiter, nach links runter Richtung Emden, zum ->Campener Leuchtturm. Waren die CampingplĂ€tze hier anfangs noch recht verwaist hatte sich das Bild in den letzten zwei Tagen gewaltig verĂ€ndert. Übermorgen war Himmelfahrt. Vor den CampingplĂ€tzen hatten sich mittlerweile Schlangen gebildet. Auf allen PlĂ€tzen in der Region. Auf den Straßen beherrschten  Nummernschilder aus ganz NRW das Bild. Die Nordhein-Vandalen fallen ein. Heißt das hier bei den Ostfriesen 😉 Ein paar Kilometer landeinwĂ€rts erreicht man das kleine Runddorf ->Rysum. Ein hier typisches Warftendorf. Die Dorfwarft liegt gut 6 m ĂŒber NN. Ein recht verschlafenes Dörfchen mit WindmĂŒhle, Kirchlein, ziegelgedeckte rote BacksteinhĂ€uschen – Idylle. Allerdings ohne jegliche Infrastruktur.

Vom Hafen entlang bzw. ĂŒber den Störtebecker Kanal, dann leicht links oder via Pilsumer Leuchttum, von wo sonst,  fĂŒhrt ein Deichweg, immer geradeaus, bis zur ->Greetsiele Leysiel Schleuse. Leider kann man nicht ĂŒber das Schleusen Wehr auf die andere Seite, denn das Gebiet dort ist Naturschutzgebiet. Die gleiche Strecke kann man auch auf ‚Seeseite‘ retour fahren. Alles eine Frage der WindstĂ€rke. ‚Seeseite‘ heißt hier ĂŒberall eher ‚Wattseite‘. Die ->Ems hat hier zwar ihren Zufluß in die Nordsee, bildet aber ein gewaltiges ->Wattenmeer.  Fast bis rĂŒber zur gegenĂŒberliegenden hollĂ€ndischen KĂŒste.  Bei Flut ein glitzerndes Meer, bei Ebbe: Watt – so weit das Auge reicht.

Am Emsufer entlang bis zum ->Dollart erreicht man dann die Stadt ->Emden. Per Fahrrad fĂŒr uns etwas ĂŒber ambitioniert – daher per Auto. ->Emden: eine kleine gemĂŒtliche Kleinstadt. Wird momentan allerdings durch Bauarbeiten im Zentrum etwas gebeutelt. Auch hier alle Passanten brav mit Mund-Nasen-Schutz unterwegs. Einige VerkĂ€uferinnen hatten das wohl vergessen. Aber selbst im Cafe auf dem ->Engelkemarkt war aufgerĂŒstet. Am Zugang Hinweis auf Maskenpflicht, Eintragen der Kontaktdaten via Smartphone und QR-Code. Alle Achtung. Emden ist ->Ottoland. ->Otto Walkes  begegnet dem Besucher auf Schritt und Tritt. Die FußgĂ€ngerampeln fordern den Passanten als grĂŒnes tippelndes OttomĂ€nnchen zum Überqueren auf. An der Außenfront des Rathauses weist ein Otto-Cartoon auf das vorbildliche Verhalten zu Corona-Zeiten hin: te huus bleiben! Vorm ->Otto-Hus am Engelkemarkt bildeten sich sogar kleine Schlangen. Die Kunsthalle Emden von Henri Nannen war leider noch geschlossen. Schade.

Ja – und dann war Himmelfahrt. Wie der erste Schnee im Winter. Auf den Radwegen war kaum ein Durchkommen. Schon im Greetsieler Hafenzentrum mußte man als Radfahrer eigentlich absteigen. Sicherheitsabstand – Fremdwort. Freiluftkneipen, Restaurants – mehr als voll. Alle GeschĂ€fte hatten Hinweise ausgehĂ€ngt, wie viele Besucher maximal, Gesichtsschutz – und tatsĂ€chlich standen die Leute brav vor der TĂŒr. Die Schlange vor der Eisdiele war ellenlang. Das Eis wurde aber von vielen sofort nach Verlassen der Eisdiele konsumiert. HĂ€tte ja schmelzen können.

Greetsiel ist ein wunderschöner kleiner Fischereihafen mit kleinen GĂ€sschen, BacksteinhĂ€usern, EinzelhandelsgeschĂ€ften, Kirche, Friedhof (fĂŒr Herr-der-Ringe-Eingweihte: hier liegen die Hobbings bzw. die Famile Hobbing), zwei Zwillings-WindmĂŒhlen vor dem Ort am Neuen Greetsieler Sieltief. Mit bunten Ruderbooten fĂŒr eine Ruder- oder Paddeltour. Ein schöner feiner Urlaubsort.

Ach ja, Restaurants. Da hat es fĂŒr jeden etwas. Und das Procedere ist fast schon Routine. Am ersten Abend, mit Vorbestellung, war der Gastraum sehr, sehr ĂŒbersichtlich frequentiert. HĂ€nde desinfizieren, Kontaktdaten hinterlassen, Mund-Nasen-Schutz dann am Tisch ablegen. KĂŒche sehr zufriedenstellen. Nur – so richtige AtmosphĂ€re stellte sich einfach nicht ein. Hat man sich frĂŒher vielleicht schon mal ĂŒber den ‚LĂ€rm‘ im Restaurant beklagt, man versteht ja sein eigenes Wort kaum, sah man sich jetzt fast zum FlĂŒstern veranlasst. Ein paar Tage spĂ€ter, Himmelfahrt, gab es sogar nur PlĂ€tze in gewissen slots, 18.00 oder 20.00. Und 19.45 waren wir die einzigen GĂ€ste im Lokal. 20.00 gab es keinen freien Platz mehr. Wohlgemerkt: jeder zweite Tisch war natĂŒrlich frei. Trotzdem: Corona-Zeiten sind nix fĂŒr gemĂŒtliches Genießen. Egal wo. Selbst die Fischbude vor dem Pilsumer Leuchtturm war bestens besucht: und jeder anstehende Besucher hatte seine Maske dabei. Egal ob in Biker-Kluft oder Radler oder Wanderer.

Ach ja, noch was zu den Fischbrötchen in Ostfriesland: die Matjes:     1A! Nur bei den Brötchen, da ist die NĂ€he zu Holland etwas zu nah. Hier nimmt man das ganz weiche/knatschige Helle, bei uns im Rheinland wĂŒrde man sagen MĂŒrbchen. Das Brötchen am Pilsumer Leuchtturm ist speziell in Muschel-Form und knackig gebacken! Fischbrötchen von Cuxhaven bis Usedom sind knackig! So muß das auch sein. Oder nich?

Also: Urlaub in Deutschland ist schön. Wenn das Wetter mitspielt. Halten sich alle an die Hygieneregeln, kann es auch zu diesen Zeiten ein Genuß sein. Mal schaun, wie sich das im Laufe des lockdown entwickelt!

Kleine Restaurantempfehlung: Restaurant Hohes Haus in unmittelbarer NĂ€he zum Sielhafen mit netter AtmosphĂ€re, auch zu Corona-Zeiten, und guer KĂŒche! Reservierung erforderlich. (info@hoheshaus.de Tel.: 04926 18 10)

Bildreport von Deutschland’s westlichster Waterkant: click hier