Marokko

ein reisereport:

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cropped-P1040689.jpgMarokko’s K├Ânigsst├Ądte – Bericht einer Rundreise 2015

Marrakesch – Quarzazate – Erfoud – F├ęs – Rabat – Casablanca – El Jadidaassalam>As Salam Alaykom< oder auch: Guten Tag!

Willkommen im westlichsten Staat des > Al Maghrib, Willkommen in >Marokko. Unsere 2015er Destination. Zehn Tage┬á „vor, hinter und im“ >Atlas-Massiv (Hoher Atlas). Zehn Tage 1000-und-eine-Nacht. Jeder Tag begann mit einem fr├Âhlichen >Sabahn Al-Khair>, also Guten Morgen. Denn alle zehn Tage waren gute Tage!

Zehn Tage durch das Land der Berber. Ob >Berber nun vom lateinischen Barbaren abstammt, die R├Âmer nannten dieses Volk zumindest so, ist nicht ganz gekl├Ąrt. Das Land zwischen Atlantik und Atlas wurde von den R├Âmern >Mauretanien genannt. Und hatten sich damit „eine Laus in den Pelz“ gesetzt. Diese Berber waren – und sind wohl noch immer – eines der unbequemsten, multikulturelsten und vor allem stolzesten V├Âlkchen im Norden Afrikas. Die Marokkaner. P1000838Und das scheint sich in den >Souks/Suqs (Markt-viertel/ Bazare), egal ob in Marrakesch oder F├ęs,┬á zu best├Ątigen. Gegen solch einen marok-kanischen Souk ist der >Grosse Bazar in Istanbul der reinste ‚Kaufhof‘. – Was dem Reisenden wohl als aller erstes auffallen wird, ist das totale Fehlen schlanker Minarets. Die f├╝r unser Empfinden f├╝r das Morgenland so typischen Silhouetten der schlanken T├╝rme und runden Kuppel, m├Âglichst vor einer zunehmenden Mondsichel, fehlen weit und breit. So scheint es. Marokkaner sind keine Schiiten, auch keine Osmanen. Sie sind Mauren und leiten ihre Herkunft direkt von Mohameds Tochter >Fatima, bzw. deren Gatten Idris I, den Idrisiden ab. Sie sind mehrheitlich Sunniten. >Fatimas sch├╝tzende Hand findet sich nahezu ├╝berall. Als T├╝rklopfer, als Hausbesch├╝tzer an T├╝ren und Fenstern, am Autor├╝ckspiegel, am Hals egal ob Mann oder Frau – und in jedem ! Souveniershop.┬á Und doch gibt es sie, die Minarets oder Minarette. Und kommen f├╝r uns Westler eher als Glockent├╝rme daher. Wieso? Nun, der >Almohaden Herrscher > Abu Yusuf al Mansur liess nach dem Vorbild der grossen Moschee in Marrakesch die >Giralda in Sevilla errichten. Und nach diesem Masterplan wurden und werden alle Minarets in Marokko gebaut. Die enge Verpflechtung zwischen dem spanischen Andalusien und Marokko zu Zeiten der >Almoraviden und sp├Ąter der > Almohaden haben diese Region tief gepr├Ągt.┬á In > Volubilis , nahe F├ęs, konnten wir die historischen Spuren aus noch ├Ąlterer Zeit bewunden. Die Stadt eines Berber-F├╝rsten und dessen Frau, der Tochter des <Marc Aurel .

Hier ist nicht Europa. Aber auch kein muslimisch-orientalisch gepr├Ągtes Istanbul. Ja, R├Âmer, Araber und die Franzosen haben dem Land ihre Stempel aufgedr├╝ckt. Aber das sind nur die ├Ąusseren Aspekte des Landes. Das Innenleben, die Seele der Menschen sind stolze Berber. Menschen aus dem wilden Atlas, der angrenzenden >Sahara und all den anderen, die irgendwann hier gestrandet und sich „vermengt“ haben.P1010841Wir sind frei“ Das Schriftzeichen hierzu findet sich ├╝berall. An den Strassen, auf Steine gepinselt, an Hausw├Ąnden – oder im Souvenirladen. – Franz├Âsisch und Arabisch sind die Amtssprachen. Die Berber-Dialekte setzen sich aber immer mehr durch. Und die ‚Touristensprache‘ Englisch. Ist sie halt Schl├╝ssel zu allen Themen, die den Touristen interessieren. Und damit der Weg zu ÔéČ oder $. Angeblich sprechen gut 70% der Marokkaner einen Berberdialekt. – Ach ja: und >Minztee nicht zu vergessen. Auch ein Schl├╝ssel zur marokkanischen Seele. Kein Besuch, kein Gespr├Ąch, kein Essen ohne Minztee. In der Moschee, im Souk, im Edelhotel. Egal. Minztee muss sein.┬á –┬á Und noch was geh├Ârt zum Stolz der Marokkaner, sehr vieler zumindest: die Liebe zu und Verehrung ihres K├Ângishauses.┬á Im aktuellen Fall┬á >K├Ânig Mohamed VI. K├Ânig steht f├╝r Ordnung, F├╝hrung, Schutz. Hat im Strassenbild schon fast kommunistische Auspr├Ągungen: Der K├Ânig ist allgegenw├Ąrtig. Der ’neue‘ K├Ânig tut allerdings auch sehr viel f├╝r sein Volk. Ein Land auf dem Weg von der konstitutionellen / absolutistischen zur parlamentarischen Monarchie. Marokko ist eine der ├Ąltesten Monarchien ├╝berhaupt. Die Zeiten des franz├Âsischen Protektorats haben zwar auch ihre deutlichen Spuren hinterlassen. Schaut man jedoch auf die Anrainer-Staaten, im Osten und S├╝den,┬á gelangt man schnell zu dem Eindruck, dass der eingeschlagene Weg ganz gewiss nicht der falsche ist. Marokko prosperiert. Aller Orten. Wobei die Spanne zwischen einem Berberdorf im Atlas und der hypermodernen >Morocco Mall in Casablanca die ’strapazierte‘ Bannbreite des wirtschaftlichen und politischen Systems deutlichst veranschaulicht. Aber ist es beispielsweise in S├╝d-Afrika anders?!

Auf geht’s: Start f├╝r uns war >Marrakesch. Die ‚Perle des S├╝dens‘. Kreuzung der grossen Handelsstrassen aus der Sahara von Osten, Europa und Arabien von Norden, Afrika/Senegal von S├╝den. Und erste ‚K├Ânigsstadt‘ auf unserer Tour. Mangels grosser und sch├╝tzender Palmenw├Ąlder hatte man eine gewaltige Stadtmauer rundherum errichtet. Nahezu vollst├Ąndig erhalten bis heute. Neben den Sehensw├╝rdigkeiten wie der gewaltigen >Koutoubia-Moschee und dem >Bahia-Palast (Bou Ahmed) ist nat├╝rlich das pr├Ągende highlight der >Djemaa-el-Fna (Platz der Gek├Âpften).cropped-P1000954.jpg ‚Wuselige‘ Faszination bei Tag und noch mehr bei Nacht. Eine Mischung aus Gauklerplatz und ‚Gar-Gross-K├╝chen‘. Schon am fr├╝hen Nachmittag str├Âmen ganze Kolonnen von Clan- oder Grossfamilien mit komplettem K├╝chen-Hard und -Software┬á plus┬á Personal auf den Platz. Jede Gruppierung hat ihren numerierten Claim. ├ähnlich wie auf den Gar-K├╝che-Marktpl├Ątzen in Asien oder Australien kann sich so jeder ’sein‘ Lieblingslokal w├Ąhlen – oder sich bei schlechter Qualit├Ąt beim registrierten Anbieter beschweren.┬á Auf dem Freigel├Ąnde wird Kurzweil aller Art angeboten. Das Mittelalter l├Ąsst gr├╝ssen: vom Schlangenbeschw├Ârer, dem Jongleur, dem S├Ąnger, dem Geschichtenerz├Ąhler bis zum Wahrsager oder der Schauspielertruppe. Die Essenst├Ąnde in grellstem (Neon)Licht, die Gaukler im schummrigen Halbdunkel, nur von unz├Ąhligen ├ľl- oder Gaslampen erleuchtet. Hier kann man wahrlich in Tr├Ąume eintauchen und in Gedanken die Karawanen und ihre m├╝den Reisenden nebst Kamelen sehen. Mit Karl May durch die W├╝ste ­čÖé Die Zeit hat man sowieso schon lange beim Streunen durch die Souks oder ├╝ber den Platz vergessen. Nix verstehn? Kein Problem! Die Gesichter der Darsteller und noch mehr die der beim zuschaun Gefesselten sprechen B├Ąnde. Auch wenn wir kein Arabisch P1010087verstehen. Ja, die Souks. Verf├╝hrerisch verschlungene Welt f├╝r sich. W├╝rde sich nicht immer wieder ein knatterndes Mopped durch die engen Gassen quetschen, f├╝hlte man sich ganz schnell um Jahre, Jahrhunderte zur├╝ckversetzt und w├╝rde sich zwischen k├╝nstlerich errichteten K├╝mmel-, Zimt- oder Paprikapulverpyramiden, un├╝bersehbarer Vielfalt von Datteln, Stoff-, Leder- oder Kupferwaren, kleinen Handwerksstuben, Friseuren oder Schuhmachern, Metzgern oder Tierh├Ąndlern total verlaufen. So wie in diesem Satz ­čÖé┬á Sicherlich sind wir als Touristen gut zu erkennen. Wurden aber nie aufdringlich bel├Ąstigt. Das Mengen-Verh├Ąltnis Touristen zu Einheimischen w├╝rde ich mit 20 : 80 % beziffern. Hauptunterscheidungsmerkmal: die Einheimischen wissen genau wohin sie wollen. Unsereins hatte sp├Ątestens nach der 5. oder 6. Abzweigung die Orientierung total verloren. Da half nur, entweder den Hauptstr├Âmen immer hinterher – oder nach einem freien Platz suchen und sich am Stand der Sonne orientieren. Raus kommt man immer. Auch wenn dann der R├╝ckweg etwas l├Ąnger als gedacht ist, da man P1010116ganz woanders rausgekommen ist als geplant. Und sobald man den Turm bzw. das Hauptminaret der Koutoubia-Moschee wieder sieht, weiss man auch, wohin man sich wieder wenden muss.

Von Marrakesch (Wir kommen wieder ­čÖé !!) ging es in ├Âstlicher Richtung hinein in das >Hohe-Atlas Massiv. Kamen wir uns in Marrakesch in eine andere Zeit zur├╝ckversetzt, dann war hier auf dem Land die Zeit stehen geblieben. Die Strassen wurden zwar nicht ganz so deutlich von Lkw’s dominiert wie in anderen L├Ąndern z.B. in Asien. Aber Esel- und Pferdekarren,┬á Fussg├Ąnger und Kamele, letztere nicht wie hier bei uns┬á sondern deutlich zu unterscheiden, und┬á immer wieder auch┬á private Kleinwagen stellten den Verkehr dar. Die Lehmh├Ąuser verschmolzen mit der kargen Landschaft drumherum. Alles braun in braun. ├ťber Marokkos h├Âchsten Pass, der >Tizi’n Tichka mit 2.200m, auf den Gipfeln lag noch Schnee, ging es in eine ‚australische‘ Landschaft. Platt,┬á trocken, kaum Baum und Strauch, endlos lange gerade und staubige Strassen. Aber Rechts-Verkehr! Etwas abseits der Hauptstrasse erreichten wir den ‚kleinen Jemen‘. H├Ąuser und vor allem die >Kasbahs (Herrenhaus, Festung, Schloss, Zitadelle) hatten f├╝r uns generell was vom Jemen. Viereckige Trutzburgen aus Stroh und Lehm. Von weitem wirken sie wie riesige k├╝nstlerische Sandburgen an einem Nordsee-Strand. Eine solche Kasbah, eher eine ganze IMG_5167Stadt ist > Ait Benhaddou. Eine jemenitisch wirkende Stadt wie aus dem besten Bibel- oder R├Âmerfilm. Dabei ist es genau umgekehrt: vor der Kulisse von Ait Benhaddou wurden Filme wie u.a. >Gladiator gedreht. Die W├╝stenfahrt ging weiter bis wir das Tagesziel >Quarzazate erreichten. Eine mittelgrosse Stadt inmitten eines riesigen Palmenhains. Zentrum der Stadt ist die gewaltige Kasbah >Taourirt. Eine gewaltige Zitadelle aus Lehm. So wie wir uns eine Burg im Morgenland vorstellen w├╝rden. Inclusive grossem Innenhof, Springbrunnen oder┬á Harem. Auch hier: Vorsicht vor den Moppeds. Esel sind stur aber wenigstens langsam. Ja der Fortschritt. Kein Moppedfahrer oder Eseltreiber oder Kamelreiter – ohne Mobiltelefon!

Weiter gings in Richtung Norden in eine der Schluchten im Karstgestein des auslaufenden Atlas: < die Dad├Ęs-Schlucht. Atlas und die angrenzende Karstw├╝ste waren vor Millionen von Jahren Meeresboden. Entsprechend findet man an jeder Ecke jemanden, der Versteinerungen feilbietet. Und der Mensch ist erfinderich. Mit etwas Kleber und Farbe lassen sich ganz gewaltige┬á >Ammoniten oder dergleichen zusammenbasteln – und verkaufen. Aber auch ernstgemeinte Exportindustrien gedeihen┬á hier damit. In den Schluchten bzw. Steinbr├╝chen werden grosse Marmor- und vor allem ‚Ammonit-Gesteinplatten‘ abgebaut und zu Tischplatten oder Waschbecken o.├Ą. verarbeitet und weltweit verschifft. Eine der Zentren hief├╝r ist <Erfoud. Unmittelbar am Rand der Sandw├╝ste, der Sahara. Unser drittes Ziel. Das highlight hier war nat├╝rlich die Jeepfahrt in die SandSahara. Zum Sonnenuntergang. Irre faszinierendP1010507 der schnelle Sonnenuntergang und die Verf├Ąrbungen des Sandes. Von Goldgelb bis hin zu nahezu dunklem Rot. Unser Tuaregfahrer wollt wohl eine Abk├╝rzung nehmen – und blieb im Sand stecken. Trotz 4WD! In der W├╝ste unter funkelndem Sternenzelt! Wow! W├Ąre da nicht der bl├Âde Jeep gewesen, der nun geschoben werden musste. Von uns. War wohl nicht das erstemal f├╝r den Mann. Wobei ich mir auch nicht ganz sicher bin, ob das keine kleine Inszenierung des >Tuareg war. Bl├Âde Touris ­čÖé Egal, beeindruckend allemal. Apropos W├╝ste ­čÖé┬á Wir hatten uns ‚als Wanderziel‘ eine hohe D├╝ne mit sicherlich herrlichem Ausblick in sagen-wir 3-4 km Entfernung ausgesucht. Nach den ersten f├╝nfzig Metern ‚Balanceakt‘ auf bzw. entlang einem D├╝nenkamm, immer sch├Ân drauf achten obendrauf zu bleiben, links gaaanz weich, rechts OK, aber immer rutschte ein Fuss irgendwie ab, ging es mehr als m├╝hselig vorw├Ąrts. Und die n├Ąchste D├╝ne war noch steiler. Zwei Schritte vorw├Ąrts, einen wieder abgerutscht. Mit Skischuhen hat man irgendwie mehr Halt. ­čÖü┬á „Da, die dritte oder vierte ‚D├╝ne‘ ist ja auch ganz nett und sehen kann man da auch was“. Wir wurden sehr bescheiden, haben uns unterhalb eines Kamms in den Sand gesetzt, denn oben auf dem Kamm fetzte der Wind. Immer sch├Ân den Mund zu halten und M├╝tze feste auf bzw. Schal um den Kopf! Klar, dass die Tuaregs bzw. die W├╝stenbewohner stets ein Tuch um Kopf und Gesicht tragen. So ein blaues Tuch um den Kopf und dazu braungebrannte Haut vor kupfergelbem Sand. Das hat was. Tuareg m├╝sste man sein. Zumindest in dem Moment. So, die Sonne konnte jetzt untergehen. Und das tat sie. Recht schnell. Vor und unter uns sassen, standen, wanderten kleinere 0y2HMKamelkaravenen durch den Sand. Ein Bild wie aus der Postkarte geklaut. Wow. Noch ein Wort zu Kleidung: Der bodenlange >Berber-Kaftan oder >Djelaba, mit oder ohne Kapuze, bei M├Ąnnern wie bei Frauen, sind im Strassenbild Gang und G├Ąbe. In der bodenlangen, glatten Bekleidung bleibt der Sand nicht h├Ąngen, l├Ąsst sich ├╝ber alles dr├╝ber ziehen und man kann viel darin und darunter verstauen – und verstecken. Es gibt sie in schlicht und einfach, wohl der Arbeits-Kaftan, bis hin zu prunkvoll und edel. Jeans oder Turnschuhe passen auch dazu.

Weiter ging es ├╝ber die n├Ârdlichen Ausl├Ąufer des Hohen Atlas. Im Norden war das >Rif-Gebirge am Rande des Mittelmeer schon deutlich zu erkennen. Die Landschaft ├Ąnderte sich nach ├ťberquerung des Atlaskammes rasant. Eben noch Karg- und Trockenheit,┬á jetzt ├╝ppig gr├╝ne Felder, bewaldete H├Âhenz├╝ge, gewaltige Zedern. Wir waren in der ‚ Schweiz Marokkos‘. In den Orten um >Ifrane entstehen bzw. entstanden Skiressorts.P1010683 Die Neubausiedlungen erinnern architektonisch tats├Ąchlich an mitteleurop├Ąische D├Ârfer. Rotgedeckte Spitzd├Ącher, Fachwerk – und Skilifte. Alles da. Nur, in den Zeder-W├Ąldern leben Affen. Das macht den kleinen Unterschied. – Wir sind jetzt im landwirtschaftlichen Zentrum, quasi der Kornkammer, Marokkos. Mit Exporten weltweit. Und erreichen die n├Ąchste K├Ânigsstadt: >F├ęs. Nicht nur ehemaliger K├Ânigssitz sondern vor allem geistig-religi├Âses Zentrum. F├ęs unterteilt sich in eine moderne und sehr westlich anmutende Neustadt und eine total verwinkelte Altstadt. Ein riesiger Souk, der Irrgarten schlechthin, mit Stadtmauern um die Medina, gewaltigen Stadttoren und einer Vielzahl von >Religionsschulen (Medersa/Medrasa) nebst Moscheen.. Die ber├╝hmteste ist die >Medersa Bouanania. Freitag war ein strategisch ung├╝nstiger Tag. Als Tourist sich durch das Gew├╝hle der Gl├Ąubigen zum oder vom Freitagsgebet zu k├Ąmpfen ist nervig. F├╝r uns wie f├╝r die Marokkaner. F├ęs ist auch Zentrum der Lederverarbeitung. Insbesondere der F├Ąrbereien. Und die rote Kopfbedeckung – der F├ęz – wird immer noch hier hergestellt. Aber wohl nur sehr vereinzelt getragen. – Die W├Ąchter der Altstadt sind die St├Ârche. Und halten die Zinnen fest in Besitz. Nester lassen sich hier bestens bauen. Die verdauten Speisereste landen einfach, schwupps, unten auf den Gassen. Ach ja die St├Ârche: ├ähnlich wie schon im Nordspanien-Report berichtet, ist der Storch auch hier sehr kreativ in Sachen Nestbau bzw. Nestplatzarrangement. Kaum eine Kasbah- oder Stadtmauer-Zinne, oder Hochspannungsmast ohne Storchbesatzung.P1010799 Aber die St├Ârche von >Volubilis haben Sinn f├╝r das Geschichtliche. Hier, zwischen F├ęs und Rabat haben sie ihre Sympathie f├╝r die r├Âmische Geschichte des Landes entdeckt und die Garnisonstadt von Marc Aurel und Kleopatras Tocher zu ihrem Stammsitz erkoren. Die alten r├Âmischen S├Ąulen, ich glaube dorische, sind von einer Grossfamilie belegt. Mein Heim, mein Nest, meine S├Ąule. Ein bisschen wie in Pompeij sind ganze Strassenz├╝ge, B├Ąder, K├╝chen, Tempel bzw. Torb├Âgen und Mosaike gut erhalten und/oder sauber freigelegt.

Und wieder eine K├Ânigsstadt: <Meknes. Von einem Zeitgenossen Ludwig XIV. gegr├╝ndet – und auch ein bisschen inspiriert. Darum die Bezeichnung ‚Versailles Marokkos‘. Pr├Ąchtige Stadttore, gewaltige Geb├Ąude und Grabm├Ąler in weiss und t├╝rkis zeugen von einstiger Pracht.

N├Ąchste Station, die vierte K├Ângisstadt: >Rabat. Heutiger politischer Regierungs- und Verwaltungssitz des Landes. Neben dem idyllischen Palmengarten der Kasbah Oudaya, der wohl Lieblingsziel junger P├Ąrchen ist. Alle per Handy innigst in Gespr├Ąche vertieft. Mit wem wohl? G├Ąbe doch wohl anderes zu tun! Monumental das >Mausoleum von K├Ânig Mohamed V. und K├Ânig Hassan II., dem Vater des derzeitigen K├Ânigs. Ganz in weiss. Sch├Ân und repr├Ąsentativ. Aber nicht so faszinierend wie das Taj Mahal. Davor steht der Hassanturm. Gewaltiges aber nie vollendetes Minaret in Anlehnung an die >Giralda in Sevilla erbaut. Den >Tour Hassan hatte der Almohaden-Herrscher >al Mansur in Auftrag gegeben. Da er jedoch w├Ąhrend des Baus starb , hatte man den Bau, eine ‚Hassan-Moschee‘ sollte hinzukommen, abgebrochen und den K├Ângissitz von Rabat nach Marrakesch verlegt.

Schlusspunkt der Reise war dann die weisse Perle am Atlantik: >Casablanca. Wir denken bei dem Namen weniger an die portugiesische Geschichte als an Sam, ‚der es immer wieder spielen sollte‘ und den kleinen Mann, der in > Rick’s Caf├ę verschw├Ârerisch sagt: Schau mir in die Augen, Kleines. bzw. He is looking at you, kid –┬á Ja, das Caf├ę existiert. War leider geschlossen und auch der Film ist nat├╝rlich nicht dort gedreht worden. Soll aber ein sehr nettes Restaurant sein. Die Stadt als solche ist ein Konglomerat von engen, verwinkelten Gassen, ein Souk – was sonst-, weiss get├╝nschte portugiesische und/oder franz├Âsische ‚Kolonial-H├Ąuschen oder Verwaltungsgeb├Ąude‘, moderne Betonkl├Âtze, hoffnungslos verstopfte Strassen. Am Atlanikstrand f├Ąllt schon von weitem das Minaret der >Mosque Hassan II. auf. Das h├Âchste Minaret weltweit. Ein fast protziger Bau der Superlative. Im Gr├Âssenverh├Ąltnis eine echte Konkurrenz zum PP1040897eters Dom. Nahezu das gesamte Dach der Moschee l├Ąsst sich hydraulich zur Seite schieben. Neben Mekka die gr├Âsste Moschee ├╝berhaupt. Platz f├╝r 100.000 Gl├Ąubige. Auf S├Ąulen ins Meer gebaut. Unter der Moschee ein riesiges Hamam f├╝r die rituellen Waschungen. Mit angegliederten Bildungseinrichtungen, von der Religionsschule bis zu einem Museum und einer Bibliothek. Eine Stadt f├╝r sich. Auch der marmorgefliesste Platz kann mit dem Petersplatz in Rom mithalten. Das Minaret von Casablanca ist mit dem in Mekka via Laserstrahl ‚verbunden‘. Zumindest wird er allabendlich in Richtung Mekka ausgestrahlt. – Im Unterschied zu Rabat gibt es in Casablance jede Menge┬á Badestr├Ąnde. Inclusive Strandleben. Unterschied zu Malle ist weniger die Menschenmenge als viel mehr deren Geschlechtsverh├Ąltnis, M├Ąnnlein zu Weiblein. Und Kamele hat es auch am Strand. Vierbeinige! Etwas s├╝dlich von Casablance liegt die >Morocco Mall unmittelbar am Strand. (Kapstadt behauptet auch, die gr├Âsste Mall des afrikanischen Kontinents zu beherbergen ). Ein Einkaufszentrum wie es eben mittlerweile ├╝berall in der Welt steht. Ob in Oberhausen oder Kapstadt. Auch das Interior l├Ąsst schnell vergessen, in welcher Hemisphere man sich gerade befindet. Die angebotenen Lables helfen jedenfalls nicht dabei.

Last not least sind wir dann am Schlusspunkt der Reise angelangt: in > El Jadida . Mit einem wuseligen portugiesischen Hafenviertel incl. begehbarer Stadtmauer. P1040948Hier kann man ganz friedlich durch die Gassen des Souk oder des Hafenviertels bummeln. Kein Touristenstress, nur marokkanischer Kleinstadt-Alltag. Jeder will was verkaufen. Ganz selbstverst├Ąndlich. Egal ob an Einheimische oder Touristen. Unaufdringlich und unaufgeregt. Freundlich. Von den frischen Datteln, den Brotfladen oder dem Baumwollkaftan f├╝r 10 ÔéČ bis zu T├Âpferwaren wie >Tajine. Letztere ein Muss in der marokkanischen K├╝che. Einmal in das bunte Treiben vertieft, vergisst es sich ganz einfach, in welcher Zeit man lebt. Esel- und Pferdekarren, fliegende Zwiebelh├Ąndler, Wasserverk├Ąufer, ein oder zwei Kamele am Strassenrand – und schon befinden wir uns in der ‚realexistierenden Zwischenwelt‘. Es duftet, es klingt es schaut aus wie Morgenland. Wenn da nicht wieder die Moppeds rumknattern┬á und die Menschen mit ihren Mobiltelefon diskutieren w├╝rden.

Nein, die Zeit ist hier nicht stehen geblieben. Nur ein bisschen. Vor allem aber verbreitet sich ein Gef├╝hl von Ruhe und ein bisschen Frieden und Zufriedenheit. Das gelebte Gesellschaftssystem, auch wenn es mehr oder weniger absolutistisch aufoktruiert wurde, es gibt jedem die Chance, ein ertr├Ągliches Leben zu leben. Inschallah.ÔÇÄ

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